2. Weltkrieg – Flugzeugabsturz auf dem Staffelberg, 1936

Eine kleine Senke zeugt noch heute vom Unglück

Etliche Details des Flugzeugabsturzes 1936 auf dem Staffelberg liegen noch im Dunkeln.

Beim Absturz eines deutschen Militärflugzeugs auf dem Staffelbergplateau am 13. Januar 1936 kamen vier Menschen ums Leben. Das Schicksal eine sfünften Insassen ist noch immer ungeklärt. Fakten über den Absturz sind nur spärlich vorhanden, Zeitzeugen n icht mehr zu ermitteln.

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Gestützt auf die Archivalien von Wolfgang Seidlitz lässt sich folgendes über den Absturz des einmotorigen Militärflugzeugs sagen: Die Maschine, wahrscheinlich eine einmotorige Junkers W34, gehörte der dritten Staffel des Kampfgeschwaders 455 an, das in Giebelstadt bei Würzburg stationiert war und das damals noch (bis 1. Juni 1936) aus Gründen der Verschleierung den Namen „Fliegergruppe Giebelstadt“ trug. Geschwaderkomodore war 1936/37 Oberst Otto Deßloch, der in Bramberg bei Ebern geboren ist.

Wo das Flugzeug an diesem Morgen gestartet war, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Nur vage und auf Gerüchte gstützt, kann die mögliche Flugroute herausgefunden werden: Aufgrund der nach dem Absturz gefundenen Koffer mit Ballkleidern vermutet man, dass die Besatzung von Berlin nach München zu einem Faschingsball unterwegs gewesen sein könnte.

An jenem Montag, 13. Januar 1936, war die Welt in dichten Nebel gehüllt. Die Flugzeuge der gerade erst ins Leben gerufenen deutschen Luftwaffe hatten längst noch keinen Radar an Bord. Die Piloten mussten auf Sicht fliegen. Und genau das wurde dem Piloten der Junkers W 34, dem 27-jährigen Hauptmann Wolf Freiherr von Gültlingen, und seinen vier Passagieren zum Verhängnis. Der Pilot war wohl sehr tief geflogen, um sich an der Topographie, an Flussläufen, Straßen und Städten zu orientieren. Ein Zeitzeuge, der bei der Bergung der Opfer geholfen hatte, gab zudem zu Protokoll, dass der Höhenmesser des Flugzeugs eingefroren gewesen sein muss.

 

Motorblock abgerissen

Den Aussagen mehrerer Zeitzeugen zufolge, die das laute Krachen gehört hatten und von Romansthal aus auf den Staffelberg geeilt waren, ergibt sich folgendes Bild vom Unfallhergang und der Bergungsaktion: Die Junkers W 34 war offenbar sehr tief geflogen und in voller Fahrt mit dem Bergmassiv kollidiert. Beim Aufprall wurde der Motorblock abgerissen und stürzte den Hang hinab. Das Flugzeug schlitterte auf dem Plateau weiter und blieb dort zertrümmert liegen. Als die Helfer eintrafen, fanden sie die weit verstreut liegenden Trümmer vor – und drei herausgeschleuderte, teils verstümmelte Personen.

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Im Wrack selbst waren zwei Personen eingeklemmt, die nur noch tot geborgen werden konnten. Die beiden Toten, Hauptmann Wolf von Gültlingen und der 23-jährige Leutnant Rudolf Scharnier (dieser Name ist nicht mit letzter Sicherheit verbürgt), wurden zunächst in der Adelgundiskapelle aufgebahrt. Ärzte und Sanitäter, die zum Unfallort gerufen worden waren, kümmerten sich um die Erstversorgung der 3 Verletzen, bevor man diese auf Tragen nach Romansthal brachte und von hier aus mit Krankenwagen ins Lichtenfelser Elisabethen-Spital transportierte. Dort starb noch am 13. Januar der 26-jährige Unteroffizier Peter Zapf. Am 16. Januar erlag der 25-jährige Leutnant Karl Hermann Kurt von Plüskow seinen schweren Verletzungen.

 

Der Name und das Schicksal des fünften Passagiers, der wahrscheinlich überlebt hat, bleiben bis heute im Dunkel der Geschichte.

Das Gelände um den Staffelberg war in den folgenden Tagen zum militärischen Sicherheitsbereich erklärt worden. Es sei sehr schwer gewesen, die Trümmer abzutransportieren, gaben Zeitzeugen zu Protokoll, denn zu jener zeit gab es noch keine Straße, die zum Plateau hinauf führte. Die Reste der W 34 mussten zerlegt und mühevoll auf Fußwegen weggetragen werden. Einige Bauern beteiligten sich mit Ochsenkarren an der Bergungsaktion. In Romansthal verlud man die Trümmer dann auf Lastwagen und schaffte sie fort.

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Während vom Flugzeugwrack nur ein sehr unscharfes Bild existiert, gibt es von der Trauerfeier, die einige Tage später auf dem Fliegerhorst Giebelstadt veranstaltet wurde, mehrere Schwarzweißaufnahmen. Diese Bilder zeigen die Särge der verunglückten Soldaten in einem Hangar sowie die angetretene Ehrenkompanie und das Salutschießen. Die Fotos wurden von dem Unteroffizier Obermier gemacht, der zur Horstkompanie Giebelstadt gehörte.
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Mühsame Recherche

Wolfgang Seidlitz versuchte in den vergangenen Jahren, Licht ins Dunkel zu bringen und schrieb verschiedene zivile und militärische Dienststellen sowie Verwandte der Verunglückten an. Der Erfolg war jedoch äußerst dürftig. Aus dem Firmenarchiv der Lufthansa erhielt er die folgende Auskunft:

Die in Rede stehende W 34 war sicher kein Lufthansa-Flugzeug. Ein entsprechender Totalverlust taucht in unseren Akten nicht auf.

Allerdings sei auch in den Nachrichten für Luftfahrer kein Abgang mit einer „D-O…“-Kennung für die ersten Monate 1936 zu finden. Erst im Juni 1936 tauche eine „D-ODIX“ als zerstört auf.

Wolf Freiherr von Gültlingen aus Fürth schrieb an Seidlitz: „Der abgestürzte Hauptmann Wolf Frhr. v. Gültlingen war der Bruder unseres Vaters. Leider bin ich nicht in der Lage, Ihnen über die bekannten Informationen noch weitere zur Aufklärung des Unglücks zu geben. Unsere Eltern sind leider beide verstorben. Auch im Gespräch mit meinem Bruder, Dr. Axel Frhr. v. Gültlingen, konnten wir keine weiteren Erläuterungen finden.“

Jürgen von Plüskow aus Bonn schrieb: „Der bei dem mysteriösem Flugzeugabsturz ums Leben gekommene Leutnant Karl Hermann Kurt von Plüskow ist ein entferneter Onkel von mir. Er hatte noch einen Bruder, der 1940 als Kommandeur eines Panzer-Regiments gefallen ist. Sein Vater und Großvater waren gleichfalls Offiziere, ersterer unter anderem im 1. Garde-Regiment zu Fuß als Kompaniechef, der andere war am Ende seiner Laufbahn kgl. preußischer Generalleutnant. Aus der Linie des verunglückten Leutnants lebt ein Neffe, Kurt v. Plüskow, Sohn des erwähnten Panzerofiziers, in der Nähe von Karlsruhe. Der Hergang des Flugzeugabsturzes sei ihm nicht bekannt gewesen. Beim Lesen der übersandten Informationen sei ihm als ehemaligem Heeresoffizier „mehrfach in den Sinn gekommen, daß die Luftwaffe sich wohl immer treu bleiben wird (Flug zum Fasching!)“.

 

Kleine Senke am Unfallort

Wer heute den Staffelberg besucht, kann die Absturzstelle noch lokalisieren: Auf dem Plateau, etwa in der Mitte zwischen Adelgundiskapelle und Felsenkrone, ist eine kleine Senke feststellbar, die mit kleinen Bäumen und Büschen bewachsen ist.

 

Mit freundlicher Genehmigung:
Matthias Einwag – Fotos: Archiv Seidlitz