1925 reiften die letzten Trauben am Staffelberg

Im mittelalterlichen Staffelstein spielte Wein eine wichtige Rolle – Heute noch finden sich Spuren davon.

Dass der Weinbau in Staffelstein einst eine wichtige Rolle gespielt hat, dürfte heute kaum jemandem bekannt sein. Später gewann jedoch das Bierbrauen immer mehr die Oberhand. Die Entwicklung „vom Wein zum Bier“ schildert eine Serie im FT, deren einzelne Folgen in loser Reihenfolge erscheinen.

 

Das wirtschaftliche Lebenselexier von Staffelstein – ebenso wie in manch anderer Kleinstadt – war in der frühen Neuzeit das Bier. Denn kaum ein Bürger konnte allein von seinem Handwerk, von der Landwirtschaft, vom Handel oder von seinem Vermögen leben. Der typische Bürger hatte, wie man heute sagen würde, ein „Patchwork-Einkommen“, zusammengesetzt aus Handwerk, Landwirtschaft, Handel – und der Produktion und dem Ausschank von Bier. Auch für die Obrigkeit war Bier von hoher Bedeutung wegen der indirekten Biersteuer, dem Umgeld oder Ungeld. Im mittelalterlichen Staffelstein hatte, neben Bier, auch Wein noch eine wichtige Rolle gespielt. Im 15. Jahrhundert hatte in Staffelstein sogar eine Urbani-Bruderschaft bestanden, eine Zunft und religiöse Fraternität der Weinhäcker. (Scheffel irrte nicht nur hinsichtlich Adelgundis, sondern auch in Bezug auf „der Winzer Schutzherr“: Das war nämlich nicht Kilian, sondern der heilige Urban).

Vom 16. Jahrhundert an verlor der Weinbau am Staffelberg immer mehr an Bedeutung, um dann im späten 19. Jahrhundert in die Bedeutungslosigkeit abzusinken. 1893 meldete das Staffelsteiner Tagblatt: Infolge der ungünstigen Witterungsverhältnisse wurde in den letzten Jahren am Staffelberg sehr wenig Wein gebaut. Die viele Mühe und Arbeit war umsonst, weshalb manche Weinbauern von Horsdorf die Lust daran verloren und sich nicht weiter damit beschäftigten. Diese haben die betreffenden Grundstücke zumeist mit Obstbäumen besetzt.

 

Das Ende des Weinbaus

Wenige Jahrzehnte später verschwand der Weinbau vollends. 1938 berichtete der in Horsdorf geborene Ferdinand Geldner (1902–1989) über das Ende des Weinbaus im Staffelsteiner Land: „im Herbst 1925 reiften die letzten Trauben am Staffelberg gut aus und im Winter 1927/28 wurde hier der letzte Weinberg ausgehauen“ (Die heutigen Weinberge bei Horsdorf sind Neuanlagen der Fünfziger Jahre). Ende der 1930-er Jahre fand man bloß noch Spuren des einstigen Weinbaus: „Heute sind die schweren hölzernen Keltern, die noch um 1870 zahlreich vorhanden waren, alle zerschlagen und die grünseidene Zunftfahne lehnt verstaubt in einem Winkel, aber ein Wirtshaus in Staffelstein zeigt immer noch das Schild der ehemaligen Häckerzunft, man kennt noch den Platz der Wächterhütten, sieht noch am Südabhang des Staffelberges die alten Weinbergterrassen und die in Stein gehauenen traubenschweren Reben an den Bildstöcken“. Klimaverschlechterungen, Wandlungen im Geschmack und Krisenzeiten wie der Dreißigjährige Krieg hatten den Rückgang des Weinanbaus beschleunigt. Spätestens seit dieser Zeit bildete Bier einen elementaren Erwerbszweig in der Stadt. Gebraut wurde es nicht in privaten Brauhäusern, die erst im 19. Jahrhundert aufkamen, sondern in einem Kommunbrauhaus.

Das 16. Jahrhundert über, wohl bis zum Dreißigjährigen Krieg, gab es in Staffelstein sogar zwei öffentliche Brauhäuser, und 1627 werden drei Darren für das Malz genannt. Die Braustätten gehörten dem Gotteshaus St. Kilian, modern gesagt: der Kirchenstiftung. Zwei Bürger, Ratsmitglieder zumeist, nahmen als Kirchenpfleger die Gebühren der Brauenden ein.

 

„Küfleins- und Kestelgeldt“

Im 18. Jahrhundert gelang es dem Stadtrat, das Brauhaus noch stärker unter seine Kuratel zu bringen. Als Anfang 1740 „das allhiesige Breuhauss so ruinos und baufällig“ war, dass „die höchste Noth erfordert, ein solches repariren zu lassen“, da war die Kirchenstiftung nicht in der Lage, die Maßnahme zu finanzieren, obwohl sie doch „von etligen Jähren hero das Küfleins- und Kestelgeldt“ einnehme – so hieß die Abgabe der Nutzer. Da der Eigentümer nicht imstande war, „solche Reparatur bestreiten zu können, als hat mann vor guth befundten, das künftighien ermeltes Küfleins- und Kestelgeldt dem Burgermeister-ambt zugelegt und bezahlt werden solle“. So sei es auch in der Vergangenheit schon einmal gehandhabt worden.

Da es nur zwei, später sogar bloß ein Brauhaus für die ganze Bürgerschaft gab, das jeder Bürger mit Hausbesitz nutzen durfte, waren Regelungen unumgänglich. Der Ablauf des Brauens wurde jährlich durch eine von Rat und Gemeinde verabschiedete Brauordnung geregelt. Wann der einzelne Bürger an der Reihe war, entschied offenbar das Los.

Diese alljährlichen Ordnungen sollten aber auch die Qualität des Bieres sichern. „Von eitel Gerste“ musste das Malz sein. Nur in Notzeiten wie dem Dreißigjährigen Krieg ließ der Stadtrat Ausnahmen zu; dann durfte die Gerste auch einmal mit Hafer oder Dinkel gestreckt werden. Oder als 1757 keine Gerste zu bekommen war, wurde mit Zustimmung des Domkapitels, das über Staffelstein Landesherr war, Bier aus reinem Hafermalz gebraut, das aber dann auch billiger abgegeben wurde. Übrigens unterschied sich damit unser Raum vom Markgraftum Kulmbach/Bayreuth, wo Haferbier Gang und Gebe war.

Den Hopfen fürs Brauen bezog man im Bambergischen, also auch in Staffelstein, aus Böhmen. Erst unter Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (reg. 1757–1779) wurde ab 1767 der Hopfenanbau im Hochstift Bamberg gezielt gefördert, um von den Importen unabhängig zu werden. Bei Baunach und Weismain etwa wurden nun Hopfengärten angelegt. Um 1800 deckte das Fürstbistum seinen Bedarf beinahe schon selbst, im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde Oberfranken dann sogar Exportland für Hopfen.

Kostenträchtig war das Brauen durch den Energiebedarf, durch den Bedarf an Holz, gerade im späten 18. Jahrhundert, als die Obrigkeiten Holznot fürchteten, den Verkauf einschränkten und die Holzpreise daher stiegen.

 

Sparsamer Kessel

1791 überraschte einer der vier Bürgermeister den Stadtrat mit dem Vorschlag, dass er „einen Mauermeister in Bamberg nahmens Paals ausfindig gemachet hette, welcher die Wissenschafft habe, die Braukessel solcher Gestalten ein zu maueren, das man mit der Halbscheid des sonstig-gebrauchten Holtzes abzubrauen imstand seye; da um solches ein unendlicher Vortheil für die Burgerschafft bewähre, so könte man damit die Probe machen“. In der Tat beschloss das Gremium, es solle „damit, in Anbedragt des ohnehin so theuren Holtzes der Versuch gemachet werden“.

Wie das Ganze ausging, wissen wir allerdings nicht.

 

Mit freundlicher Genehmigung:
Prof. Dr. Günter Dippold.