Das Frankenlied von Viktor von Scheffel (1859)

Wohlauf die Luft geht frisch und rein, wer lange sitzt muss rosten; den allerschönsten Sonnenschein lässt uns der Himmel kosten. Jetzt reicht mit Stab und Ordenskleid der fahrenden Scholaren, ich will zur schönen Sommerszeit ins Land der Franken fahren. Vallerie, vallera, vallerie, vallera ins Land der Franken fahren.

Der Wald steht grün, die Jagd geht gut, schwer ist das Korn geraten; Sie können auf des Maines Flut die Schiffe kaum verladen. Bald hebt sich auch das Herbsten an, die Kelter harrt des Weines; der Winzer Schutzherr Kilian beschert uns etwas Feines. Vallerie …

Wallfahrer ziehen durch das Tal mit fliegenden Standarten; hell grüßt ihr doppelter Choral den weiten Gottesgarten. Wie gerne wär´ ich mitgewallt, ihr Pfarr` wollt mich nicht haben. So musst ich seitwärts durch den Wald als räudig Schäflein traben. Vallerie …

Zum heil´gen Veit von Staffelstein komm` ich emporgestiegen und seh´ die Lande um den Main zu meinen Füßen liegen. Vom Bamberg bis zum Grabfeldgau umrahmen Berg und Hügel die breite, stromdurchglänzte Au – ich wollt´, mir wüchsen Flügel. Vallerie …

Einsiedelmann ist nicht zu Haus, dieweil es Zeit zu mähen; ich seh´ ihn an der Halde drauss bei einer Schnittrin stehen. Verfahrner Schüler Stoßgebet heißt: Herr, gib uns zu trinken! Doch wer bei schöner Schnittrin steht; dem mag man lange winken. Vallerie ….

Einsiedel, das war missgetan, dass du dich hubst von hinnen! Es liegt, ich seh´s dem Keller an, ein guter Jahrgang drinnen. Hoiho! Die Pforten brech´ ich ein und trinke, was ich finde. Du heil´ger Veit von Staffelstein, verzeih mir Durst und Sünde. Vallerie …

 


 

des Frangnlied von Görchla und seiner Fraa

goerchla_singtWohl auf, die Lufd gehd frisch und rein, Wer lange sidzd muß rosd`n. Den allersonnigsd`n Sonnenschein Läßd uns der Himm`l kosd`n. Jedzd reichd mir Schdab und Ordnskleid Der fahrend`n Scholaren, Ich will zu guder Sommerszeid Ins Land der Frang`n fahren. Valleri, vallera, valleri, vallera, Ins Land der Frang`n fahren !

Der Wald schdehd grün, die Jagd gehd gud, Schwer isd des Korn gerad`n; Sie können auf des Maines Flud Die Schiffl`a kaum verlad`n. Bald hebd sich auch des Herbsd`n an, Die Kelder harrd des Weines; Der Winzer Schudzherr Kilian Bescherd uns edwas Feines. Valleri, vallera, valleri, vallera, Bescherd uns edwas Feines.
Des Görchla und sei Fraa
Wallfahrer ziehn durch des Dal Mit fliegend`n Schdandard`n, Hell grüßd ihr dopplder Koral Den weid`n Sonnengard`n. Wie gern wär ich midgewalld, Ihr Pfarra wolld mich ned hab`n.So muß ich seidwärds durch den Wald Als räudig Schäfla drab`n. Valleri, vallera, valleri, vallera, Als räudig Schäfla draben.

Zum heilg`n Veid vom Schdaffelschdein Komm ich emborgeschdiegen Und seh die Lande um den Main Zu meinen Füßen liegen: Von Bamberch bis zum Grabfeldgau Umrahmen Berch und Hüg`l Die breide, schdromdurchglänzde Au. Ich wolld, mir wüchs`n Flüg`l ! Valleri, vallera, valleri, vallera Ich wolld, mir wüchs`n Flüg`l !

Einsiedlmann ist nichd zu Haus, Dieweil es Zeid zu mähn; Ich seh ihn an der Halde drauß’n Bei einer Schnidd’rin schdehen. Verfahrner Schüler Schdoßgebed Heißd: Herr, geb uns zu dring`n! Doch wer bei schöner Schnidd’rin schdehd, Dem mag man lange wing`n Valleri, vallera, valleri, vallera, Dem mag man lange wing`n.

Einsied`l, das war mißgedan, Daß du dich hubsd von hind`n! Es liechd, ich seh’s dem Keller an, Ein guder Jahrgang drinnen. Hoiho! die Pford`n brech ich ein Und drinke, was ich finde. Du heilger Veid vom Schdafflschdein Verzeih mir Durschd und Sünd`n! Valleri, vallera, valleri, vallera, Verzeih mir Durschd und Sünd`n!

Psssst!!
Und wer a gscheider Frange iss, der draud sich a nuch die 3 Schdrof`n zu:

O heil’ger Veid von Schdafflschda, beschüdze deine Frang`n und jag‘ die Bayern aus dem Land! Wir wollen’s ewich dang`n. Wir wollen freie Frang`n sein und nichd der Bayern Gnechde. O heil’ger Veid von Schdafflschda, wir fordern unra Rechde! Valleri, vallera, valleri, vallera, wir fordern unra Rechde!

Napoleon gab als Judaslohn – ohne selbsd es zu besidz`n – unser Frang`n und eine Königsgron‘ seinen bayrischn Komblizn. Die ham fröhlich dann geraubd uns Kunsd, Kuldur und Schdeuern, und damid Münch`n aufgebaud. Wir müssn sie bald feuern! Valleri, vallera, valleri, vallera, wir müssn sie bald feuern!

Drum, heil’ger Veid von Schdafflschda, Du Redder aller Frang`n: Bewahre uns vor Nod und Bein, weis‘ Bayern in die Schrang`n! Wir woll’n nichd mehr geduldich sein, denn nach zweihunnerd Jahr`n, woll’n wir – es muss doch möglich sein – durch’s FREIE Frang`n fahrn! Valleri, vallera, valleri, vallera, durch’s FREIE Frang`n fahrn!

 


 

Es gibt auch eine lateinische Version des Frankenliedes.

Age, flat aura frigida!

Age, flat aura frigida ! Diu qui cubat, torpet; Sol lucens niditissima Tela in terram torquet. Nunc baculum et pallium Vagantium mihi date, Ut arvum nunc Franconium Petam pulcra aestate!

Silva viret, iucundus est Venatus, seges turget, Naves, quis credere potest! In Moeno Ceres urget; Mox et vindemia erit, Torcular stat in cella, Et custos vincae dabit Vina Kilianus bella.

Migrantes vallem permeant Volatu sub vexilli Et canticis salutem dant Divino horto illi. Quam velim ire cum iis, A parocho depellor, Oblique ire in silvis Aguus scaber compellor.

Ad Staffelstenium ego Ascendo sanctum Vitum Et circum Moenum video Arvum ad pedes situm. Ad Grabfeldgoviam Bergio Saltus cingit elatus Cum amne rura spiendido – Vellem essem alatus!

Et eremita non domi, Nam est metendi hora, Devorat, quae placent ei, Sectricis bella ora. Vagantium prex resonat: Here, bibendum dabis! Qui cum puella bella stat, Ei frustra autabis.

O eremita pessime Liquisti domum totam, Coniicio occultare se In cella bonam notam, Eheu, effringo ianuam, Bibo, quod est celatum, Condona, Vite, tu meam Sitim atque peccatum!

 


 

Das Frankenlied von Viktor von Scheffel (1859) war nicht das erste Frankenlied!

Hans Philipp Werner Freiherr von und zu Aufseß (1801 – 1872) hat 1841 ebenfalls ein Frankenlied geschrieben.

Hans Philipp Werner Freiherr von und zu Aufseß wurde als Altertumsforscher und Gründer des Germanischen Museums (heute Germanisches Nationalmuseum) in Nürnberg bekannt.

Sag an, was ist das Frankenland, durch alte Mären weit bekannt? Wer will mir weisen wo es liegt, das Land, das nie ein Feind besiegt, das nach der Freiheit wird benannt? Sag an: wo liegt das Frankenland?

O Schau hin, – dort liegt das Land, wornach dein Sehen so entbrannt; Sieh, dort wo hohe Wipfel weh`n, da mitten in`n die Felsen steh`n. Und drunten, leicht, auf klarer Well`, das Schifflein gleitet hin so schnell.

Sieh`, dort auf Bergen Schlösser hoch, wo hauset mancher Ritter noch, dort unten Städte reich und schön, worin so frey die Bürger gehn! Ja unser schönes Frankenland, das soll dir werden gut bekannt.

Dort siehst du stolze Dome noch, wie ehemals prangen hehr und hoch; Und alte Kunst und alte Kraft, wie sonst, noch vieles Gute schafft; Ja unser gutes Frankenland, das soll dir werden recht bekannt.

Da glüht an edler Reb`der Wein, so perlend Klar, wie Gold so fein; In vollem Glase schäumt das Bier, und Wasser selbst gibt Heilung dir; Der Erde Grund bringt blankes Erz, nun sprich, was wünschet mehr dein Herz?

Ja Eins, das Beste noch dabey; der Franken Herz bleibt immer treu Dein großen deutschen Bruderbund, d`rum auf! und trinkt mit mir die Rund;

Auf`s Frankenwohl, auf`s Frankenwohl;
Auf aller deutschen Brüder Wohl!